Bibelgespräch – Themen und Bezüge: Gottes und der Menschen Reich

An 5 Abenden von Oktober 2023 bis Februar 2024 konnten wir bereits spannende Details zum heuer für das Bibelgespräch – Themen und Bezüge von Pfarrvikar Albert Reiner gewählten Thema „Gottes und der Menschen Reich“ erfahren: Das „Reich Gottes“, ein zentraler Begriff in der Verkündigung Jesu, das im altgriechischen Original des Neuen Testaments βασιλεία (basileía) heißt, also eigentlich „Königreich“, ist nahe, ja es ist schon zu uns gekommen, wenn Jesus die Dämonen „durch den Finger Gottes“ (Lk 11, 20) bzw. „im Geist Gottes“ (Mt 12, 28) austreibt. Das Reich Gottes beginnt also da, wo das Böse aufhört, mit dem Guten zu koexistieren. Im Reich Gottes gibt es offenbar nur das Gute. Auf diese Hoffnung hin ist das Evangelium ausgerichtet, das verkündet Jesus. Nur wer hat die Macht in Gottes (König)reich?  Im Buch Exodus, Kapitel 19 finden wir einen klaren Hinweis darauf: Als Gott, der Herr, mit dem Volk Israel auf dem Sinai seinen Bund schloss, da ließ er über Mose dem Volk ausrichten: „Jetzt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.“ (Ex 19, 5f.) Gott ist also König im Reich Israel. Im Buch der Richter weigert sich Gideon aus ebendiesem Grund, die ihm nach seinem Sieg über die Midianiter vom Volk angebotene Königswürde anzunehmen: „Ich will nicht über euch herrschen und auch mein Sohn soll nicht über euch herrschen; der HERR wird über euch herrschen.“ (Ri 8, 23) Aber gerade das Buch der Richter zeigt in den Greuel, die das Volk Israel anrichtet, als „jeder tat, was in seinen eigenen Augen recht war“ (Ri 17,6; 21, 25), dass „Anarchie auch keine Lösung ist“, wie Pfarrvikar Albert es am dritten Abend der Vortragsreihe auf den Punkt brachte. Das alte Testament liefert uns jedoch auch eine genaue Beschreibung des idealen Herrschers unter den Menschen, der mit Gottes Königreich vereinbar ist, ohne dass Gottes Macht in Frage gestellt oder gar außer Gefecht gesetzt würde: Deuteronomium 17, 14 – 20 wird dem Volk Israel erlaubt, nach dem Einzug ins gelobte Land einen König über sich einzusetzen, „doch nur einen, den der HERR, dein Gott, auswählt“ (Dtn 17, 15). Dieser König darf kein Ausländer sein, soll das Volk nicht zurück nach Ägypten führen, aus dessen Gefangenschaft es mit Gottes Macht und Führung heil entkommen ist, nicht zu viele Frauen haben und auch sonst nicht zu viel Besitz anhäufen, den Herrn, seinen Gott fürchten und sich nicht über seine Brüder erheben. Das Einzige, was ihn vom restlichen Volk unterscheidet, ist der Besitz einer Abschrift der Schriftrolle, auf der die levitischen Priester das Gesetz aufgezeichnet haben, d.h. er hat eine eigene Tora, die er lebenslang mit sich tragen und studieren soll, damit er die Kriterien für das ideale Herrschertum nicht vergisst und strikt einzuhalten vermag. „Er soll sich also als Musterisraelit gebärden, der nicht herausfällt aus dem Muster des Volkes Israel“, wie Pfarrvikar Albert es für uns klar nachvollziehbar formulierte. Nur das tatsächliche Verhalten der Könige, die das Volk Israel im Laufe der Geschichte lenkten, zeigt leider wenig bis keine Entsprechung zu diesem im Deuteronomium gezeichneten Idealbild eines Herrschers. So fehlt es denn in der Bibel auch nicht an Herrschaftskritik. Matthäus 20, 25 – 27sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Großen ihre Vollmacht gegen sie gebrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.“

Wenn Sie nun Interesse bekommen haben, noch mehr über das spannende Thema „Gottes und der Menschen Reich“ zu erfahren, herzlich willkommen zu den weiteren Abenden des Bibelgesprächs – Themen und Bezüge von 19:30 – 21:00 im Paulaner Pfarrhaus imTheresiensaal:

25. April: Das Schwache hat Gott erwählt

23. Mai: Christliches Miteinander

13. Juni: Reich Gottes jetzt?

Iris Pioro